Ordnung ohne Abgrenzung
Warum das Stadtbild nicht über Menschen, sondern über den Staat spricht
Auslöser
Die Worte des Kanzlers über ein „Problem im Stadtbild“ haben eine vertraute Debatte ausgelöst. Wieder geht es um Herkunft, wieder um Bilder, wieder um Emotionen. Doch das eigentliche Thema bleibt unangetastet: die sichtbare Schwäche staatlicher Ordnung im öffentlichen Raum. Wenn Bürger sich fragen, wer in unseren Städten eigentlich das Sagen hat, dann geht es nicht um Hautfarbe, sondern um Autorität.
Strategische Analyse
Ein funktionierender Staat erkennt man daran, dass man ihn nicht erklären muss. Seine Präsenz zeigt sich in der Sicherheit der Straßen, der Verlässlichkeit der Verwaltung und der Berechenbarkeit von Regeln.
Wo diese Ordnung brüchig wird, entsteht ein Vakuum. Die einen füllen es mit Empörung, die anderen mit Identität. Doch beides ersetzt keine Staatskunst.
Das Stadtbild ist kein kulturelles Problem, sondern ein staatliches. Wenn Plätze verwahrlosen, wenn Kriminalität sichtbar wird, wenn Regeln nicht mehr durchgesetzt werden, dann hat nicht eine Gemeinschaft versagt, sondern der Staat. Und dieser Verlust an Autorität gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt weit mehr als jede Form der Vielfalt.
In Deutschland wird Ordnung oft mit Härte verwechselt. Dabei ist sie Ausdruck von Respekt. Ein sauberer Platz, eine funktionierende Verwaltung, eine konsequente Polizei sind keine Zeichen von Strenge, sondern von Fürsorge. Sie schützen das Zusammenleben, nicht die Herkunft.
Frankreich und Italien verstehen das besser. Dort gilt Ordnung als Bestandteil öffentlicher Würde. In Deutschland dagegen wird Autorität schnell moralisch delegitimiert – und dadurch entwertet.
Wer über das Stadtbild spricht, muss deshalb über den Staat sprechen, nicht über Gruppen. Es geht nicht darum, wer sichtbar ist, sondern was sichtbar wird. Der öffentliche Raum ist der Spiegel der Republik. Wo der Staat an Klarheit verliert, gewinnen Stimmungen die Deutungshoheit.
Einordnung
Ordnung ist die Voraussetzung jeder Offenheit. Nur wer Sicherheit garantiert, kann Vertrauen schaffen. Nur wer Verantwortung übernimmt, kann Freiheit gewähren.
Eine bürgerliche Politik muss deshalb den Staat stärken, nicht seine Symbole schwächen.


