Zelensky feuert Zaluzhnyi – ein Wendepunkt im Krieg oder nur politisches Kalkül?
Wenn persönliche Machtkalküle über strategische Notwendigkeiten triumphieren, verliert nicht nur ein General – sondern ein Staat seine Kriegsfähigkeit.
Die Entlassung von General Valeriy Zaluzhnyi ist mehr als nur ein Personalwechsel an der Spitze des ukrainischen Militärs – sie ist ein politisches Signal mit sicherheitspolitisch katastrophalem Potenzial. Inmitten einer strategischen Patt-Situation, bei der Russland auf Zeit, Masse und Material setzt, schwächt Präsident Zelensky seine eigene militärische Führung – und das nicht aus operativen, sondern primär aus politischen Gründen.
Zaluzhnyi verkörperte einen Typus General, den die Ukraine in ihrer existenziellen Lage dringend braucht: strategisch denkend, realistisch im Lagebild, und vernetzt mit westlichen Partnern. Seine Einschätzung, dass der Krieg in eine Phase des Stellungskriegs eingetreten ist, war keine Kapitulation, sondern Ausdruck militärischer Nüchternheit. Dass diese Wahrheit dem Präsidenten nicht in sein Narrativ passte, spricht Bände – und erinnert an genau jene politisch dominierte Kriegsführung, die schon in anderen Konflikten zum Desaster führte.
Mit General Syrskyi rückt nun ein Mann an die Spitze, der für Durchhaltewillen steht – jedoch auch für eine operative Härte, die an sowjetische Doktrinen erinnert. Seine Ausbildung in Moskau, sein Handeln in Bachmut, und sein Ruf, Menschenleben taktisch zu vernachlässigen, lassen vermuten: Es geht nun weniger um operative Klugheit, sondern um symbolträchtige Härte. Das jedoch ist brandgefährlich, denn Symbolpolitik ersetzt keine strategische Überlegenheit.
Zelensky handelt aus Angst – nicht aus Stärke. Die Entlassung des populärsten Generals des Landes ist vor allem ein innenpolitischer Machtschritt. Der Präsident fürchtet, dass der „Eiserne General“ sich als Alternative zum eigenen Führungsanspruch profilieren könnte. Anstatt die militärische Resilienz zu stärken, wird nun die Entscheidungsfindung im Verteidigungskrieg enger an das politische Kalkül des Präsidenten gebunden. Syrskyi wird nicht widersprechen – das macht ihn gefährlich.
Was wir hier beobachten, ist der Zerfall einer kriegsführenden Kommandostruktur – nicht durch Niederlagen, sondern durch politische Selbstbeschädigung. Der Westen, ohnehin zunehmend skeptisch und erschöpft, wird diese Entwicklung genau registrieren. Wer inmitten eines Abnutzungskriegs seine glaubwürdigste militärische Figur opfert, riskiert nicht nur das Vertrauen der Frontsoldaten, sondern auch das seiner Partner.
Die Ukraine steht militärisch mit dem Rücken zur Wand. Munition und Personal fehlen, die Mobilisierung stockt, und wichtige Verteidigungslinien wie in Awdijiwka drohen zu fallen. In dieser Lage ist strategische Klarheit gefragt – keine innenpolitisch motivierte Säuberung. Das Vorgehen Zelenskys ist das Symptom eines gefährlichen Trends: der Verschmelzung von Kriegsführung und PR-Kalkül. Wenn politische Führung sich vor strategischer Wahrheit fürchtet, verliert ein Staat mehr als nur Schlachten – er verliert seine Handlungsfähigkeit.
Für Europa muss das eine Lehre sein: Nur wer seine militärischen Strukturen vor parteipolitischen Reflexen schützt, kann in einem Großmachtkonflikt bestehen. Die Ukraine zeigt, was passiert, wenn diese Trennung bricht.


